Wieso muss ein Hund teuer sein?

Gegenfrage: Wieso sollte man keinen Billighund kaufen?

 

Das habe ich mich selber gefragt, bevor ich meinen ersten Hund geholt habe. Ich habe nicht verstanden, wieso ein Rassehund 1000.- € und mehr kosten soll. Woher nimmt man diesen Preis? Wollen sich die Rassehundespezis einfach nur bereichern?

Ich habe mich viel Informiert und lange überlegt, aber einen wirklich genauen Grund habe ich nicht gefunden, den wollte mir auch niemand erklären. Jetzt, da ich selber Hunde züchte, sieht das ganz anders aus und mir geht die Pumpe hoch, wenn jemand mich beschuldigt, mit den Hunden viel Kohle zu machen und das Hunde nix kosten brauchen.

 

Ich erkläre euch gerne wieso:

 

Kostenaufstellng für einen durchschnittlichen Wurf von 5 Welpen. Dies muss der Züchter vor Abgabe der Welpen leisten.

Die Preise sind Durchschnittspreise, die ich aus meiner Erfahrung durch viele Tierarztbesuche abschätze. Die Preise können je nach Region und Tierärzte höher oder auch geringfügig niedriger sein.

Rot sind die Musskosten, die anderen Kosten können, müssen aber nicht anfallen.

 

Vorsorgeuntersuchung der Hündin, vor dem Deckakt mit Abstrich, ev. Bluttest: 60.- €

 

Impfung beginn der Läufigkeit gegen Herpes: 60.- €

 

Deckakt von einem durchschnittlichen, gesunden und zur Zucht zugelassenem Rüden: 500.- €

 

Durchschnittliche Fahrtkosten zum Deckrüden und Hotelübernachtung: 300.- €

 

Ultraschall zur Feststellung der Schwangerschaft: 30.- €

 

Ultraschall und Kontrolluntersuchung bei der fortlaufenden Schwangerschaft: 30.- €

 

Impfung gegen Herpes vor der Geburt: 60.- €

 

Röntgenuntersuchung vor der Geburt wegen genauer Anzahl, Größe und Lage der Welpen: 50.- €

 

Kaiserschnitt: 600.- €

 

Hochwertiges Aufzuchtsfutter für die Hündin und Welpen für die kommenden 2 Monate: 300.- €

 

Dreimalige Entwurmung der Welpen und Mutter in den ersten 8 Wochen: 110.- €

 

Erste Vorsorgeuntersuchung der Welpen und der Mutter: 50.- €

 

Erste Grundimunisierung der Welpen: 220.- €

 

Zweite Vorsorgeuntersuchung: 50.- €

 

Chippen der Welpen mit EU-Heimtierausweis: 200.- €

 

Wurfabnahme mit Fahrtkosten: 80.- €

 

Wurfmeldung und die Erstellung der Papiere: 250.- €

 

Putzmittel und Waschmittel: 50.- €

 

Decken und Tücher: 50.- €

 

Erhöhter Strombedarf durchs Waschen, Trocknen, ev. Wärmelampe oder zusätzliches Heizen: 100.- €

 

Das sind Summa Summarum 2050.- € nur für die Musskosten! Und 3150.- € mit Zusatzkosten! Pro Welpe sind das 410.- € oder 630.- €. Mit einer geringeren Wurfstärke erhöht sich die Summe, mit einer stärkeren Wurfstärke verringert sich die Summe pro Welpe.

 

Nun fragen sich die Leute, gut, wieso kostet ein Welpe dann nicht nur 500.- € oder 700.- €?

Das ist etwa der angemessene Preis für einen einmaligen Zufallswurf, der natürlich auch geplant sein kann. Diese Hunde haben aber keine Papiere, genießen aber die volle Tierärztliche Versorgung und mehr. Der Vermehrer bereichert sich nicht, macht das aus Hobby oder Spass. Die Welpen sind gesund und gut Sozialisiert.

Selbst wenn dieser Art Vermehrer noch 100.- oder 200.- € draufsetzt, kommt das Geld meist seinen Tieren zugute oder er gönnt sich mal ne Kleinigkeit. Bedenkt aber auch, dass bei einem Wurf auch ein Einkommensausfall vorkommen kann, da die Mutter und die Welpen so viel Zeit von dem Besitzer benötigen!

Diese Art von Vermehrern besitzen nur wenige oder nur einen Hund, sind da viele Hündinnen die regelmässig Welpen bekommen, ist es wieder fragwürdig, ob das Geld wirklich in Tierarztkosten fliesst....

 

Ein Welpe, der nur 250.- Euro kostet oder weniger, hat keine tierärztliche Versorgung genossen, die Vermehrer haben sich nicht um die Gesundheit der Elterntiere gekümmert und das Futter war auch nur zweitrangig. Das Risiko ist groß, dass der Welpe krank ist oder "nur" verwurmt. Dieser Hund kann später noch hohe Tierarztkosten verursachen, die viele viele 100.- oder 1000.- € betragen können oder er verstirbt kurz nach dem Kauf. Zusätzlich sind diese Welpen oft sehr schlecht oder gar nicht sozialisiert und dann auch noch häufig viel zu früh von der Mutter getrennt. Sollte man Glück haben, und der Hund ist so robust, dass er schnell wieder gesund wird und bleibt, ist er vermutlich geistig gestört und für sein ganzes Leben ein Problemfall. Muss das sein?

Das sind dann die Hunde, die ihren Besitzer überfordern und dieser dann gezwungen ist, den Hund ins Tierheim zu bringen oder gar auszusetzen, weil er/sie keinen anderen Ausweg mehr weiss.

 

Klar gibt es Ausnahmen, aber davon ist auch ein Großteil der Käufer dabei, die zu stolz sind ihre Fehler zuzugeben, hohe Tierarztkosten in Kauf nehmen und 10 oder mehr Jahre mit einem gestörten Hund zusammen leben, den eigentlich Keiner richtig ertragen kann....

 

Wieso aber kostet der Hund bei einem richtigen Züchter noch mehr?

 

Dies kann ich euch auch gerne erklären. Der echte Züchter betreibt sein Hobby als Berufung. Ein Wurf ist keine Ausnahme, sondern ein geplantes Ereigniss. Ein Züchter kann nur einen Hund haben, aber auch 10.

 

Bei einem Hund mit durchschnittlich einem Wurf alle 1,5 bis 2 Jahre ist es nicht viel komplizierter als beim Hobbyvermehrer. Es kommen lediglich Vereinskosten und die Kosten von Ausstellungen usw. dazu.

 

Bei mehreren Hunden wirds schon komplizierter. Da muss ein Familienmitglied immer Zuhase sein und kann nicht nebenbei einer anderen Tätigkeit nachgehen. Das bedeutet nicht nur einen Einkommensausfall von 2-3 Monaten, sondern einen ganzjährigen "Einkommensausfall". Und aus Irgendwas muss man die Miete oder die Hypothek bezahlen! Von Luft und Liebe lässt es sich nicht leben.

 

Die Zuchthunde kosten viel Geld bei der Anschaffung und der Unterhaltung. Ein Hund kostet im Jahr ca. 500.- mit regulären Tierarztkosten, Futter, Steuern und Versicherungen. Ein Zuchthund kostet in der Regel 1000.- bis 2000.- Euro in der Anschaffung. Das ist aber keine Garantie, dass der gekaufte Welpe später auch zur Zucht geeignet ist. Viele Krankheiten kann man erst untersuchen, wenn der Hund ausgewachsen ist. Da hat man plötzlich 2500.- € in den Sand gesetzt und wird gegebenenfalls noch verurteilt, wenn man diesen Hund für 1000.- € in Liebhaberhände vermittelt.

Nun, die Hundezucht ist kein Wohlfahrtsverein und ein Züchter hat nicht die Zeit und das Geld, jeden Hund, der nicht geeignet ist für die Zucht, zu behalten. Dies ist nicht verwerflich sondern absolut legitim. Diese Hunde werden oft im Bekannten oder Familienkreis abgegeben und werden oft besucht. Die echten Züchter sind bemüht ein schönes und dauerhaftes Plätzchen zu finden. Diese Hunde leiden nicht darunter und genießen ihre Frührente. :)

 

Nun hat man endlich einen oder mehrere geeignete Zuchthunde. Diese muss man unterhalten und beschäftigen. Ich erwähne nochmal, dass es ca. 500.- € pro Hund und Jahr kostet. Dazu kommen die Vereinskosten und der Besuch von Hundeausstellungen. Das kann je Ausstellung gerne mal 200.- € oder mehr kosten, mit Anmeldung und Anfahrt.

Die Hunde müssen gesundheitlich durchgecheckt werden und brauchen eine Zuchttauglichkeit. Da liegen die Kosten pro Hund gerne bei 300.- bis 500.- € je nach benötigten Untersuchungen. Diese beinhalten bei einem kleinen Terrier PLL, PL, Herz, Nieren und Blut. Zusätzlich muss der Hund ein gutes Gebiss haben und optisch dem Standard der Rasse nahe kommen. Dies wird auf einer Ausstellung oder vom Verein bewertet und kostet ebenfalls nicht wenig.

Einige Untersuchungen müssen nach einem Jahr oder vor jeder Trächtigkeit wiederholt werden. Da kommt man gut und gerne auf eine Summe von zusätzlich 200.- € pro Jahr und Hund. Luxusartikel wie Leckereien, tolle Halsbänder usw sind nicht mal berücksichtigt. Das zählt auch kein Mensch und es geht dem Züchter auch nicht um jeden Euro. Ein Züchter liebt seine Rasse/n und möchte sich einfach sein Hobby leisten können und die Hunde und sich selber über die Runden bringen. Kein Züchter bereichert sich am Verkauf der Welpen! Und ein Luxusleben oder gar Urlaub sind sowieso gestrichen.

 

Der Urlaub eines Züchters sind die Ausflüge mit seinen Hunden. Der Luxus besteht darin, mal ein paar Tage keine Welpenkacke wegmachen zu müssen. Die Erholungs ist, wenn man keine schlaflosen Nächte hat, weil die Hündin kurz vor der Geburt steht und man keine Sekunde das Tier alleine lassen möchte.

 

Hundewelpen sind ein 24 Stunden Job! Niemand bezahlt diese Arbeitszeit! Sonst müsste ein Welpe 4000.- bis 5000.- € Kosten.....

 

Und bevor ich das Beste vergesse.... Ab 4 Würfen im Jahr gilt die Zucht als Gewerbe. Das kleinste Plus, was über Miete, Hundeunterhalt und Essen hinausgehen würde, wird dann vom Steueramt geschluckt......